Citysoftnet: Schluss mit endlosen Nachkrediten
12. Februar 2026 – Gemeinsame Medienmitteilung – Die Fraktionen Mitte, FDP und GLP/EVP im Berner Stadtrat lehnen den erneut beantragten Nachkredit für das IT-Projekt Citysoftnet ab. Die Begründung des Nachkredits ist wirtschaftlich und strategisch nicht überzeugend und widerspricht einer verantwortungsvollen Finanzpolitik.
Die Fraktionen Mitte, FDP und GLP/EVP stehen digitalen Innovationen in der Verwaltung grundsätzlich positiv gegenüber. Beim Projekt Citysoftnet zeigt sich jedoch seit Jahren ein problematisches Muster: steigende Kosten, wiederholte Nachkredite und fehlende strategische Klarheit.
2018 bewilligte das Stimmvolk einen Investitionskredit von knapp 19 Millionen Franken. Seither folgten mehrere Nachkredite in Millionenhöhe. Nun steht erneut ein zusätzlicher Kredit von über 2,5 Millionen Franken zur Diskussion, unter anderem für erhöhte Betriebskosten, zusätzliches Personal und den Rückbau des Altsystems KiSS. Dabei handelt es sich um Ausgaben, die bei sorgfältiger Planung absehbar gewesen wären und längst im ordentlichen Budget hätten eingestellt werden müssen.
Besonders deutlich wird die Fehlentwicklung bei den Betriebskosten sichtbar: Statt der ursprünglich vorgesehenen rund 800’000 Franken pro Jahr belaufen sich diese mittlerweile auf rund 1,5 Millionen Franken jährlich – nahezu eine Verdoppelung. Diese Abweichung ist nicht allein durch Teuerung erklärbar, sondern Ausdruck ungenügender Planung und unzureichender Kostenkontrolle.
Auch die personellen Mehrbelastungen und die anhaltenden operativen Probleme zeigen, dass das Projektmanagement gravierende Mängel aufweist. Mitarbeitende mussten über Jahre mit einer unzureichend funktionierenden Software arbeiten, was zu Zusatzaufwand und Verzögerungen führte. Die Leidtragenden sind neben dem Personal auch die betroffenen Klientinnen und Klienten sowie letztlich die Steuerzahlenden.
Hinzu kommt die strategische Unsicherheit: Der Kanton Bern plant eine kantonale Lösung für Fallführungssysteme (NFFS), welche mittelfristig die Ablösung von Citysoftnet nach sich zieht. Es ist daher unverantwortlich, weiterhin erhebliche Mittel in ein System zu investieren, das bald abgelöst werden dürfte.
Wir fordern deshalb…
- …einen sofortigen Verzicht auf weitere Nachkredite für Citysoftnet, solange grundlegende Mängel in Planung, Projektmanagement und Kostenkontrolle nicht behoben sind;
- …vollständige Kostentransparenz, eine verlässliche Budgetierung und einen sorgfältigen Umgang mit öffentlichen Mitteln statt dauernder Nachforderungen zulasten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler;
- … eine konsequente und unabhängige Aufarbeitung der bisherigen Projektführung;
- … einen verbindlichen, realistischen Plan für die Übergangsphase hin zu einer tragfähigen Alternativ- oder Nachfolgelösung mit Blick aufs NFFS.
Statt bei jedem Nachkredit bereits den nächsten in Aussicht zu stellen, braucht es endlich eine saubere, vorausschauende Planung. Dafür braucht es eine politische Führung, die Verantwortung übernimmt und konsequent korrigiert.
Michelle Steinemann, Stadträtin Die Mitte, 079 425 06 55
Oliver Berger, Stadtrat FDP, 077 438 07 07
Corina Liebi, Stadträtin/Co-Fraktionspräsidentin GLP/EVP, 079 713 04 16
